zashiki

tokonoma by wiki commons

In meinen Augen gibt es nichts Schöneres als ein auf traditionelle Weise erbautes Kyōtoer Stadthaus. Ich mag jedes einzelne Teil eines Kyō-Machiya und kann auf Anhieb sagen, von welcher Art die Fenster im Obergeschoß auf der Straßenseite meines Hauses sein sollten und welches Muster die Einfassungen der Tatami-Matten im meinem Empfangszimmer haben müssten. Da ich mich schon in mehreren Beiträgen mit der Fassade eines Kyō-Machiya beschäftigt habe, möchte ich heute einen Blick in das Innere des Hauses werfen und Ihnen das formelle Empfangszimmer (zashiki) vorstellen.

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machinami

Ninenzaka by Till Scheel

Das, was Kyōto so einzigartig macht, ist die Tatsache, daß es selbst im 21. Jahrhundert noch Orte gibt, die einem das Gefühl geben als sei die Zeit stehen geblieben. Und damit meine ich nicht die berühmten Tempel und Schreine der Stadt, sondern die kleinen Gassen und engen Straßen mit ihren im traditionellen Stil erbauten Wohnhäusern. 1975 hat die japanische Regierung ein Gesetz erlassen, mittels dessen ganze Straßenzüge mit historisch bedeutenden Gebäuden unter Denkmalschutz gestellt werden können. Die Stadt Kyōto besitzt insgesamt vier dieser als erhaltenswert betrachteteten Umgebungen: Sanneizaka, Gion Shinbashi, Saga Toriimoto und Kamigamo.

Sanneizaka bezeichnet die Straßen, die hinauf zum Kiyomizudera – dem beliebtesten Tempel der Stadt – führen, auf denen stets ein Strom von Pilgern und Reisenden anzutreffen ist. Aber selbst an Tagen, an denen viele Touristen unterwegs sind, genügt ein Abstecher in eine der Seitenstraßen, um dem Trubel zu entkommen und in die ruhige Atmosphäre des Viertels einzutauchen. Gion Shinbashi liegt in dem nördlich von Shijō-dōri gelegenen Teil des Geisha-Viertels und besteht aus den beiden Straßen Shinbashi- und Minami-Shirakawa-dōri. Diese Straßen sind tagsüber menschenleer und erwachen erst in den Abendstunden zum Leben, wenn sich das warme Licht aus den Fenstern der Teehäuser auf dem Wasser des Shirakawa-Kanals spiegelt.

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Kōshi

kōshi by Till Scheel

Unter kōshi versteht man aus parallel angeordneten Holzleisten gefertigte Wände, Fenster und Türen, die kennzeichnend für die Frontseite tradtioneller Stadthäuser in Kyōto, den sogenannten kyō-machiya, sind. Kōshi stellen einen fließenden Übergang zwischen drinnen und draußen dar. Im Haus läßt sich alles sehen und vor allen Dingen alles hören, was auf der Straße vor sich geht. Und wenn in den Abendstunden das warme Licht durch die hölzernen Gitter in die Gassen fällt, zeichnet sich das Innere der beleuchteten Häuser auf faszinierende Weise schemenhaft ab. Diese besondere Atmosphäre läßt sich am Besten bei einem abendlichen Spaziergang durch Gion erleben.

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Shōji

Papierschiebetüren

Shōji bezeichnete ursprünglich alle Arten von Raumteilern –Stellschirme (tsuitate-shōji), Schiebetüren (fusuma-shōji) und Papierschiebetüren (akari-shōji) – aber heute wird der Begriff nur noch für die Schiebetüren aus durchscheinendem Papier verwendet. Shōji sollen Licht in das Zimmer lassen, sie werden daher an den zum Korriodor bzw. der Veranda gerichteten Wänden angebracht. Wenn Shōji direkt an den Außenwänden eingesetzt werden, bedarf es zusätzlicher Schiebetüren aus Holz, den sogenannten Regentüren (amado), um das Haus nachts sicher abschließen zu können.

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Sukiya-zukuri

kugi-kakushi in Blütenform

Der Sukiya-zukuri Architekturstil stellt die informelle Variante des Shoin-zukuri dar; sowohl die Anordnung von shointokonoma und chigaidana (auf dekorative Türen wird im Sukiya-zukuri verzichtet) als auch die Materialauswahl und Gestaltung der einzelnen Elemente ist ganz dem Belieben des Bauherrn überlassen. Als sukisha oder sukimono bezeichnete man einen Mann, der sich voller Hingabe (s)einer Kunstfertigkeit widmete. Der Begriff ist seit dem Ende der Heian-Zeit (794-1192) in Gebrauch; ursprünglich auf die Waka- und Renga-Dichtung bezogen, wurde sukisha bzw. sukimono später auch auf diejenigen angewandt, die den Weg des Tees als höchste Kunst- und Daseinsform ausübten. Der Teemeister Sen no Rikyū (1522-1591) war der Erste, der sukiya als Benennung für einen Teeraum verwandte.

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Shoin-zukuri

Raum im Shoin-zukuri Stil

Der Shoin-zukuri Stil entwickelte sich in der Muromachi-Zeit (1338-1573) aus dem Shinden-zukuri; frühe Beispiele fanden sich in den Abtresidenzen der Zen-Klöster (hōjō) und den Empfangsräumen (kaisho) der Residenzen des Schwertadels. Shoin bedeutet übersetzt «Schreibzimmer», Räume im Shoin-zukuri enthalten einen im Fenstererker eingebauten Schreibtisch (tsuke-shoin) und an der Wand befestigte Regale (chigaidana) für die Aufbewahrung von Büchern und Schreibutensilien.

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Japanische Architektur verstehen

Dach der Phönixhalle am Byōdō-in Tempel

Traditionelle japanische Architektur läßt sich in drei Kategorien einteilen, in die Architektur der Shintō-Schreine, der buddhistischen Tempel und der Wohnhäuser. In der Schreinarchitektur trennt man die frühen, vor der Einführung des Buddhismus entstandenen Stilrichtungen – Ise, Izumo und Sumiyoshi  – von den späteren, unter Einfluß der buddhistischen Tempelarchitektur aufgekommenen Stile (Nagare-zukuri, Kasuga-zukuri, Hachiman-zukuri usw.). Letztere unterscheiden sich vor allem in der Gestaltung der Haupthalle voneinander, einem sich im innersten Schreinbereich befindenden Gebäude, das den Besuchern meistens verschlossen bleibt.

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Hiwadabuki

ein mit Zypressenrinde gedecktes Dach

Es gibt nichts Eleganteres als einen geschwungenen Giebel (karahafu) an einem mit der Rinde der japanischen Zypresse gedeckten Dach (hiwadabuki). Das an der östlichen Mauer des alten Kaiserpalastes gelegene Kenshunmon-Tor ist meines Erachtens das schönste Dach dieser Art. Sein Anblick ist die reinste Freude und wenn ich an ihm vorübergehe, halte ich jedes Mal einen Moment inne, um es zu betrachten. Rindengedeckte Dächer finden sich nur an herrschaftlichen Residenzen und an bedeutenden Shintō-Schreinen. Buddha-Hallen, wie beispielsweise die Haupthalle des Kiyomizudera, weisen nur dann mit Rinde gedeckte Dächer auf, wenn die Gebäuden ursprünglich Teil eines Palastes waren und erst später dem Tempel geschenkt worden sind.

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Zen-Tempel

ein meditierender Mann im Ryōgen-in Tempel

Die Hauptgebäude eines Zen-Tempels sind entlang einer gerade, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Linie ausgerichtet: von dem Tor für den kaiserlichen Gesandten (chokushimon) im Süden, über den rechteckigen, von einer Steinbrücke überspannten Teich (hanchi), das Haupttor (sanmon) und die Buddha-Halle (butsuden) zu der Predigthalle (hattō) und der Abtresidenz (hōjō) im Norden der Tempelanlage. Predigthalle und Abtresidenz sind durch einen überdachten Korridor (genkan) verbunden und rechts neben der Abtresidenz befindet sich die Küche (kuri), durch welche heutzutage die Besucher den Tempel betreten.

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Abtresidenz

Raum in der Abtresidenz des Kenninji Tempels

Die Wohnung eines Abtes in einem Zen-Tempel wird hōjō genannt. Es handelt sich dabei um ein rechteckiges Gebäude mit jeweils drei Räumen auf der Süd- und Nordseite, welches an allen Seiten von einer breiten Veranda (hiro-en) umgeben ist. Von der Ostseite der Abtresidenz führt ein überdachter Korridor (genkan) zur Predigthalle (hattō) des Tempels und ermöglicht dem Abt trockenen Fußes zwischen beiden Gebäuden zu wechseln.

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