zashiki

In meinen Augen gibt es nichts Schöneres als ein auf traditionelle Weise erbautes Kyōtoer Stadthaus. Ich mag jedes einzelne Teil eines Kyō-Machiya und kann auf Anhieb sagen, von welcher Art die Fenster im Obergeschoß auf der Straßenseite meines Hauses sein sollten und welches Muster die Einfassungen der Tatami-Matten im meinem Empfangszimmer haben müssten. Da ich mich schon in mehreren Beiträgen mit der Fassade eines Kyō-Machiya beschäftigt habe, möchte ich heute einen Blick in das Innere des Hauses werfen und Ihnen das formelle Empfangszimmer (zashiki) vorstellen.

Die Größe eines jeden Raumes in einem traditionellen japanischen Haus wird auf der Grundlage einer Tatami-Matte berechnet. In Kyōto haben die Tatami-Matten eine Größe von 191 x 95,5 cm; ein Raum von acht Matten gilt hier als großer Raum, aber natürlich findet man auch größere Empfangsräume. Ein niedriger Tisch ist oftmals das einzige Möbelstück im Raum.

Die Zimmernische (toko) stellt das charakteristische Merkmal eines Empfangszimmers dar. Sie grenzt im rechten Winkel an die Außenwand oder die Schreibnische (tsuke-shoin), nimmt aber nicht die gesamte Breite des Zimmers ein. Der Boden der toko ist entweder höher und / oder von anderem Material als der Zimmerboden. Die Decke über der Zimmernische ist deutlich niedriger als im Rest des Raumes und der Pfosten der toko ist stets aus einem anderen Holz als das der übrigen Pfosten gefertigt.

Neben der Zimmernische befndet eine weitere Nische mit versetzt angeordneten Wandregalen (chigaidana). Die offenen Regale haben nach oben geschwungene Ende, die das Herunterrollen von Gegenständen verhindern (fude-gaeshi). Zusätzlich können unittelbar unter der Decke (tenbukuro) und / oder direkt auf dem Boden (jibukuro) der Nische geschlossene Regale mit Schiebetüren angebracht sein. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten für die Anordnung und Ausführung dieser Regale. In Kyōto kann man die drei berühmtesten Regalnischen des Landes bewundern: das Daigo-dana im Sanbō-in, einem Subtempel des Daigoji, das Kasumi-dana im mittleren Garten der kaiserlichen Villa Shūgakuin Rikyū und das Katsura-dana im Shin-Goten der kaiserlichen Villa Katsura Rikyū.

 

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