Rokkakudō Tempel

Sechseckiger Stein am Rokkakudō Tempel

Der mitten im Stadtzentrum, südöstlich der Kreuzung Karasuma-Sanjō gelegene Rokkakudō Tempel, ist der Geburtsort der Kunst des Blumensteckens Ikebana, welche hier vor genau 550 Jahren ihren Anfang nahm. Gleichzeitig ist der Tempel ein bedeutender Pilgerort: die 33-Tempelroute des Kyōtoer Kannon-Pilgerweges nimmt hier ihren Anfang und für die Gläubigen, die auf dem westlichen Kannon-Pilgerweg unterwegs sind, stellt der Rokkakudō Tempel die 18. Station des Weges dar. Der Überlieferung nach wurde der Tempel von dem kaiserlichen Prinzen Shōtoku Taishi (572-622) gegründet. Die Geschichte lautet wie folgt:

Als Shōtoku Taishi eines Tages in der Gegend des heutigen Kyōto unterwegs war, kam er an einem See vorbei, der ihn zum Baden einlud. Bevor der Prinz in das erfrischende Wasser stieg, legte er sein goldenes, mit dem Bildnis der Kannon geschmücktes Amulet am Uferrand ab. Alber als er dieses nach dem Bad wieder anlegen wollte, war es plötzlich so schwer geworden, daß er es nicht vom Boden aufheben konnte. In der Nacht erschien dem Prinzen Kannon in einem Traum und teilte ihm mit, daß sie an dieser Stelle bleiben wollte, woraufhin Shōtoku Taishi an diesem Ort einen Kannon-Tempel errichten ließ. Chōhōji lautet der offizielle Name des Tempels, aber aufgrund des seckseckigen Daches seiner Haupthalle ist er im Volksmund stets Rokkakudō genannt worden.

Eine weitere Überlieferung besagt, daß bei dem Bau der Hauptstadt eine der geplanten großen Straßen über das Gelände des Tempels geführt hätte. Der Kaiser sandte daraufhin einen Boten an den Tempel, um Kannon das Problem zu erläutern. Als Antwort auf die Nachricht des kaiserlichen Boten verhüllte Kannon den gesamten Tempel in einer großen Wolke, hob ihn vom Boden ab und verrückte ihn gerade so weit, daß die Straße gebaut werden konnte. Weiter heißt es, daß alle Entfernungen bei der Anlage der neuen Hauptstadt von dem sich auf dem Tempelgelände befindenen sechseckigen Stein gemacht worden sind, der daher auch der Nabel Kyotos genannt wird.

Der Rokkakudō Tempel ist zweifelsohne ein Ort von historischer Bedeutung, aber für mich ist er vor allen Dingen ein Ort des Glaubens. Es ist erstaunlich wie viele Menschen sich in der Hektik des Alltags die Zeit für ein stilles Gebet nehmen. Was sich gut beobachten läßt, wenn man im Starbucks Café Karasuma Rokkaku auf einem der am Fenster stehenden Sessel Platz nimmt.

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