Made in Kyōto

japanische Papierschirme

Ich habe entschieden, den Einkaufsführer für die traditionsreichen Geschäfte Kyōtos (shinise) unter der Prämisse finanzieller Unabhängigkeit zu schreiben. Wenn ich finanziell unabhängig wäre, dann würde ich ein Leben im Stil des englischen Privatgelehrten Richard Ponsonby-Fane führen wollen; ich würde ein Haus am Fluß haben (zwischen Imadegawa- und Kitaōji-dōri) mit Blick auf die östlichen Berge – „ein Haus, das zwar nicht nach der neuesten Mode erbaut und auch nicht prächtig ausgestattet ist, das aber über einen geschmackvoll angelegten Garten mit alten Bäumen und wild wachsenden Pflanzen verfügt; ein Haus, wo das Holz des Lattenzaunes und der offenen Veranda meisterhaft verarbeitet sind und zufällig herumliegende Gegenstände an den unbekümmerten Lebensstil vergangener Zeiten erinnern.“

In diesem Haus würde es natürlich einen Raum mit einer tokonoma geben, in welcher für jeden Monat des Jahres immer ein passender Gegenstand aufgestellt wäre. Dies könnte ein Bild, ein Fächer oder eine Puppe sein. Farbholzschnitte von zeitgenössischen Kyōtoer Künstlern sowie moderne Nachdrucke edozeitlicher Meister findet man bei Uchida Art im Kyōto Handicraft Center. Das auf Teramachi-dōri (zwischen Shijō- und Sanjō-dōri) gelegene Daishodō hat zwar auch Nachdrucke im Angebot, ist aber auf alte Farbholzschnitte und Bücher spezialisiert. Beide Geschäfte sind an ausländische Besucher gewöhnt und man kann sich dort in Ruhe umschauen. Die reinen Kunstgeschäfte sind hingegen nicht so leicht zugänglich, aber die interessieren auch nicht, alldieweil sich in meinem Haus keine seltenen und kostbaren Dinge finden würden, sondern nur einfache, traditionell hergestellte Dinge von guter Qualität.

Qualität hat ihren Preis und gute Fächer, Blattfächer wie Faltfächer, sind verhältnismäßig teuer. Traditionelle Puppen können sogar ein Vermögen kosten: ein komplettes Set von Puppen für das Mädchenfest (hina ningyō) hat einen Anschaffungspreis vergleichbar mit dem eines deutschen Mittelklassewagens. Bei Ausgaben in dieser Höhe ist die Wahl des richtigen Geschäfts besonders wichtig. Blattfächer würde ich nur bei Kyō-Uchiwa Aiba kaufen, Faltfächer nur bei Miyawaki Baisen‘an und traditionelle Puppen wenn dann bei Andō Ningyō-ten. Alle drei Geschäfte präsentieren die Kunstfertigkeit ihrer Produkte gekonnt auf ansprechend gestalteten Webseiten.

Je nach Jahreszeit werden in Japan unterschiedliche Materialien und Dekore für das Essgeschirr verwendet; die Vielfalt der Formen, Farben und Werkstoffe ist erstaunlich groß und schon für wenig Geld lassen sich schöne Geschirrteile erwerben. Zunächst einmal gilt es jedoch, eine Vorstellung davon zu bekommen, was es überhaupt alles gibt. Die Haushaltswaren-Abteilung von Takashimaya eignet sich gut für eine erste Orientierung. In einem zweiten Schritt kann man dann die Fachgeschäfte aufsuchen, von denen ich hier eine kleine Auswahl geben will: Asahidō für Kiyomizuyaki, Zōhiko und Nachiya für Lackwaren, Kagoshin und Takematsu für Bambuswaren, Ichihara Heibei Shōten und Kyōto Ohashi Kōbō für Eßstäbchen, Seikadō für geschmiedete Gegenstände, Tsujiwa Kanaami für Küchenartikel aus Drahgeflecht und Aritsugu für Küchenmesser.

Für mich ist gutes Räucherwerk genauso wichtig wie eine gute Tasse Tee, und in beiden Fällen ist die Entscheidung für das endgültige Produkt eine Frage des eigenen Geschmacks. Als Hersteller von Räucherwerk kommt für mich allerdings nur Shōeidō in Frage. Ganz besonders empfehlen kann ich Lisn, die neue Produktlinie des seit über dreihundert Jahren existierenden Geschäftes Shōeidō. Das moderne Design der Geschäftsräume von Lisn macht deutlich wie ein traditionsreiches Handwerk erfolgreich der Schritt ins 21. Jahrhundert gelungen ist. Vom Räucherwerk zum japanischen Papier, bei Kungyokudō findet man beides, und zwar seit 1594. Kakimoto ShōjiSuzuki Shōfūdō und Uragu sind drei weitere, ganz unterschiedliche Fachgeschäfte für japanisches Papier, die ich aus persönlicher Erfahrung empfehlen kann.

Aus japanischem Papier sind auch die Lampen und Schirme, die Nishibori Kōtarō in seinem Familienbetrieb Hiyoshiya fertigt. Seine Kotori genannte Lampenserie ist mit in- und ausländischen Designpreisen ausgezeichnet worden und im Schatten der großen Schirme von Hiyoshiya haben bereits gekrönte Häupter Platz genommen. Eine gelungene Verbindung von traditioneller Technik und modernen Materialien stellt der Schirm Sinaru dar, an dessen Entwicklung Nishibori-san maßgeblich beteiligt war. Um das Verständnis für traditionell hergestellte japanische Papierschirme zu fördern, bietet Hiyoshiya japanischen wie ausländischen Besuchern die Gelegenheit zu einem Besuch in der Werkstatt an, verbunden mit der Möglichkeit, selbst einmal einen kleinen Papierschirm anzufertigen.

Und zu guter Letzt von Schirmen zu Handtaschen, Portemonnaies und all den Dingen, die im Japanischen unter den Begriff fukuromono gefaßt, und die in Kyōto in einer unglaublichen Vielfalt angeboten werden: Taschen aus Baumwolle (Eirakuya), aus Segeltuch (Ichizawa Shinzaburō) und aus Seide (Izawaya). Taschen aus Bambus (Kōchosai), aus Kunststoff (Seisuke88) und aus Leder (Tsuchiya Kaban). Und Portemonnaies in allen Größen, Formen und Farben findet man bei Karan ColonMatsuhiroRakuzen und Nunoyamisayama.

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