Teranouchi-dōri

japanische Papierschirme

Fahrradfahren ist in Kyōto der schnellste und einfachste Weg, sein Ziel zu erreichen. Das gilt für den Supermarkt um die Ecke genauso wie für den Tempel oder Schrein am anderen Ende der Stadt. Da die Straßen Kyōtos im Schachbrettmuster angelegt sind, gibt es meist mehr als einen Weg, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Es lohnt sich gerade bei regelmäßigen Strecken, die Route ab und an zu variieren und neue Straßen auszuprobieren.

Manchmal sollte man auch einfach das Fahrrad stehen lassen und zu Fuß durch die Stadt gehen. Um Kyōto zu «entdecken» muß man nicht zwangsläufig immer wieder neue, unbekannte Orte aufsuchen. Oft reicht es schon, sich für die bereits bekannten Orte einmal richtig Zeit zu nehmen und genau zu schauen, was es dort zu sehen und zu entdecken gibt.

Mir wurde das ganz deutlich bewußt, als ich eines Tages vom Kitano Tenmangū nach Hause ging. Normalerweise bin ich die Strecke immer mit dem Fahrrad gefahren, aber an diesem Nachmittag war ich zu Fuß unterwegs. Das Viertel, durch das ich sonst so schnell hindurchgefahren bin, zeigte sich mir plötzlich von einer völlig neuen Seite. Ich ging Teranouchi-dōri entlang und das Erste was mir auffiel, war das rhythmische Klacken der mechanischen Webstühle, an denen im Nishijin Viertel noch gearbeitet wird. Auch die kunstvoll gestalteten noren vor den Eingangstüren der Geschäfte und Restaurants habe ich erstmals wirklich wahrgenommen.

Es ist beeindruckend, wie sich die Tradition des Viertels bis heute in den noren der Häuser widerspiegelt. Wie stolz die Menschen dort auf diese Tradition sind, läßt sich auch gut an den neuen, im modernen Stil gebauten Häusern der Straße sehen. Auffallend ist, wie sehr sich die Eigentümer dieser Häuser um ein einheitliches Straßenbild bemüht haben. So finden sich auch an den modernen Häusern traditionelle, an die Architektur der Kyō-Machiya erinnernde Elemente, die dazu beitragen, den ursprünglichen Charakter des Stadtviertels zu bewahren.

Die schönste Erinnerung dieses Spaziergangs ist jedoch die an den Schirmmacher Hiyoshiya, an dessen Werkstatt ich zufällig vorbeikam. Trotz später Stunde nahm sich dort eine freundliche junge Dame die Zeit, mir ausführlich den Unterschied zwischen traditionellen japanischen Regen- und Sonnenschirmen zu erklären. Erlebnisse wie diese sind es, die das Leben in Kyōto für mich so besonders machen. Teranouchi-dōri ist eine einfache Straße, die in keinem Reiseführer erwähnt wird. Eine Straße, die einem aber dennoch das wahre Wesen Kyōtos offenbaren kann, wenn man sich die Zeit nimmt, sie zu entdecken.

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